Pädagogische Arbeit

Das Kind im Mittelpunkt unserer pädagogischen Arbeit

Unser Kindergarten ist für die Kinder ein Ort des gemeinsamen Lebens und Lernens, in dem sie sich wohlfühlen. Hier können sie sich und andere erleben. Im partnerschaftlichen Miteinander gehen wir auf die individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kinder ein. Gemeinsam machen wir uns mit ihnen auf den Weg, ihre Stärken zu entdecken und neue zu wecken. Mit ihren Schwächen nehmen wir sie an und geben Hilfestellung, diese zu überwinden.

Durch ganzheitliche Förderung ermöglichen wir den Kindern, neue Erfahrungen zu machen und geben ihnen Hilfe zur Selbsthilfe. Damit wir den Bedürfnissen der Kinder nach Freiräumen und Geborgenheit, Bewegung und Ruhe, Spontanität und Verlässlichkeit gerecht werden, schaffen wir einen festen Rahmen, in dem sie sich selbstständig und sicher bewegen können. Trotz Regeln und Grenzen können sie die ganze Vielfalt des Spielens genießen und dabei Spaß und Freude empfinden.

Wir unterstützen in unserer Einrichtung Kinder in Ihren Basiskompetenzen, damit sie zunehmend:

  • wertorientiert und verantwortungsvoll handelnde Kinder,
  • sprach- und medienkompetente Kinder,
  • fragende und forschende Kinder,
  • künstlerisch aktive Kinder,
  • „starke” Kinder mit einem gesunden Selbstvertrauen werden, die kompetent mit Veränderungen und Belastungen umgehen können

Basiskompetenzen geben dem Kind ein inneres Gerüst und damit Orientierung. Als Basiskompetenzen werden grundlegende Fähigkeiten und Fertigkeiten bezeichnet, die das Kind benötigt, um mit anderen Kindern und Erwachsenen zu interagieren. Sie befähigen das Kind zum produktiven Umgang mit seiner Umwelt, zur Selbstorganisation und sozialer Mitgestaltung (Zugehörigkeitsgefühl, Respekt) sowie zur Offenheit anderen Kulturen und Lebenseinstellungen gegenüber. Basiskompetenzen sind Grundlage jedes Lernens und des sozialen Miteinander.

Hierzu zählen:

Personale Kompezenz (Selbstwahrnehmung)

  • Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Autonomieerleben (Selbstentscheidung)
  • Kompetenzerleben (Aufgabenübertragung entsprechen des Leistungsniveaus)
  • Selbstwirksamkeit (Probleme und Aufgaben aufgrund der eigenen Kompetenz selbst bewältigen)
  • Selbstregulation (Verhalten selbst beobachten, bewerten und steuern)

Soziale Kompetenz

  • Verantwortung für sich und andere übernehmen
  • Verantwortung für Natur und Umwelt übernehmen
  • Hilfestellung geben, um Hilfe bitten und annehmen können
  • Kommunikationsfähigkeit (sich mitteilen können und zuhören)
  • Kooperationsfähigkeit
  • Empathie und Perspektivübernahme (Konflikte wahrnehmen, sich in andere hineinversetzen können, Kompromisse finden)
  • Entwicklung von Werten, Achtung individueller Unterschiede und sozialer Vielfalt
  • Verantwortung für Natur und Umwelt übernehmen

Widerstandsfähigkeit (Resilienz)

Resilienz ist die Grundlage für positive Entwicklung, Gesundheit, Wohlbefinden und hohe Lebensqualität sowie Grundstein für einen guten Umgang mit individuellen, familiären und gesellschaftlichen Veränderungen und Belastungen. Kinder sind fähig und kompetent, ihre Entwicklungsaufgaben auch unter erhöhten Anforderungen mit zu gestalten und aktiv zu lösen. Dies gelingt ihnen umso besser, wenn sie in ihrem Bewältigungsprozess und in der Entwicklung der dazu nötigen Kompetenzen unterstützt und bestärkt werden. Eigenaktivität und Verantwortungsübernahme stehen daher im Mittelpunkt.

Lernkompetenz

Lernmethodische Kompetenz – Lernen, wie man lernt

Sie ist die Grundlage für einen bewussten Wissenserwerb und Grundstein für ein schulisches und lebenslanges, selbstgesteuertes Lernen. Lernmethodische Kompetenz baut auf vielen Basiskompetenzen wie:

  • Denkfähigkeit
  • Gedächtnis
  • Kreativität
  • Werterhaltung
  • Moralische Urteilsbildung
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Kommunikationsfähigkeit

auf und verknüpft sie miteinander. Der Erwerb der lernmethodischen Kompetenz erfolgt durch Auseinandersetzung mit Inhalten. Inhalte werden mit den Kindern thematisiert und reflektiert. So entwickelt sich zunehmend ein Bewusstsein, dass sie lernen, was sie lernen und wie sie gelernt haben. Im Freispiel, in Projekten, angeleiteten Beschäftigungen und bei der Vorschularbeit erfahren die Kinder durch Erforschen, Entdecken und Spielen mit verschiedenen Materialien ein Lernen durch ganzheitliches Erleben und Erfahren. Dafür stellen wir ihnen Zeit, Raum und Material zu Verfügung. Die Kinder lernen durch Anleitung und Versuche und festigen Gelerntes durch Reflexion. Sie erfahren, dass Lernen Spaß macht.

„Unser Kindergarten ist ein Ort, in dem das Leben nicht erklärt,
sondern gelebt wird.“
(Franz Kett)

Spiel

Laut BEP (Bayerischer Erziehungs- und Bildungsplan) ist das Spiel das Prinzip des Lernens im Kindergarten. Spiel heißt für das Kind spielend zu lernen, obwohl es oft Schwerstarbeit ist. So ist das Spiel Lebensgrundlage. Im Spiel kann das Kind seine Fähigkeiten frei entfalten und sich ausdauernd und konzentriert mit einer Sache beschäftigen.

Das Freispiel

Das Freispiel nimmt bei uns einen großen Teil des Tagesablaufes ein. Die Spielzeit beginnt, wenn das Kind im Kindergarten angekommen ist. Es wählt Spiel, Mitspieler, Ort, Material und Dauer nach eigenen Wünschen und Interessen aus. Die Freispielzeit findet im Gruppenraum, in den entsprechenden Spielbereichen, im Flur sowie im Freien statt.

Bedeutung für das Kind

Durch das freie Spielen wird die Gesamtentwicklung ganzheitlich gefördert. In allen Bereichen (sozial, kognitiv, kreativ, emotional) kann das Kind mit allen Sinnen Reize aufnehmen und somit Lernerfahrungen sammeln. Weiterhin lernt es sich darzustellen, akzeptiert zu werden, Rücksicht zu nehmen, verzichten zu können, Regeln anzunehmen, Meinungen zu vertreten, Konflikte verbal zu lösen, helfen und beschützen zu können.

Praktische Umsetzung

Raumteilverfahren
Als Grundvoraussetzung sind verschiedene Spielbereiche wichtig. Unsere Gruppenräume sind nach dem Raumteilverfahren der Margarethe Schörl eingerichtet. In allen Gruppen gibt es feste Spielbereiche, die die Kinder altersadäquat benutzen. Die Puppenwohnung spiegelt die häusliche Lebensumwelt der Kinder wider. So gibt es zum Beispiel einen Herd, der mit Kochgeschirr die Kinder anregt, hauswirtschaftliche Tätigkeiten nachzuahmen. Dieser Bereich dient als Rückzugsmöglichkeit, in dem häufig Rollenspiele stattfinden.

Die Konstruktionsbereiche
Weiterhin bieten wir Konstruktionsbereiche, die mit unterschiedlichen Materialien wie z.B. Holzbausteinen, Lego, Naturmaterialien usw. ausgestattet sind. In diesen Bereichen können die Kinder kreativ und spielerisch die Grundbegriffe von verschiedenen Formen und Farben und der Statik erlernen. Für Regelspiele und Legematerial sind eigene Bereiche vorhanden. Rückzugsmöglichkeit bietet der Bereich der Bilderbücher. Hier können es sich die Kinder bequem machen und in Ruhe Bilderbücher betrachten. Außerhalb des Gruppenraumes laden gruppenübergreifende Bereiche, die sogenannte Kuschelecke, Bällebad und Autoteppich usw. zum Freispiel ein. Aus jeder Gruppe trifft sich hier eine bestimmte Anzahl von Kindern (pro Gruppe zwei Kinder).

Gelenktes Spiel

Beim gelenkten Spiel muss das Kind Regeln einhalten. Die Erzieherin gibt dem Kind Impulse und stellt Arbeitsmaterial zu Verfügung.

Bedeutung für das Kind

Durch das Einhalten der festen Regeln z.B. bei Brett-, Lege- und Steckspielen lernt das Kind einerseits sich unterzuordnen, andererseits sich zu behaupten. Bei diesen Spielen wird die Ausdauer, die Konzentration, die Geduld und die Sprachbildung gefördert. Durch ein gelenktes Rollenspiel kann man ein Thema vertiefen und besser verständlich machen.

Praktische Umsetzung

Wir stellen den Kindern Zeit, Raum, Mobiliar, Spielmaterial und diverse Utensilien für das angeleitete Rollenspiel bereit. Tun bedeutet im Kindesalter Spiel. Man soll dem Spiel so eine Lenkung geben, dass alles, was das Kind in sich trägt und zur Entfaltung drängt, entfaltet wird. (Fröbel)

Gezielte Angebote

Im Kindergartenalltag gibt es neben dem Freispiel einen weiteren wichtigen Bereich, das „gezielte Angebot“. Es wird von dem pädagogischen Personal geplant, durchgeführt und geleitet. Diese gezielten Beschäftigungen können in der Großgruppe mit allen Kindern, in der Kleingruppe, nach Alter zusammengefasst oder mit dem einzelnen Kind stattfinden.

Bedeutung für das Kind

Das Kindes lernt seine Aufmerksamkeit über einen begrenzten Zeitraum auf eine bestimmte Aktivität zu richten, während es eigene Bedürfnisse, Interessen und Wünsche aufzuschieben gilt. Im gemeinsamen Handeln erleben sich die Kinder als Gruppe. Aufeinander warten, gegenseitiges Helfen und andere soziale Verhaltensweisen werden besonders geübt während gezielter Angebote.

Für das pädagogische Personal bietet sich hierbei die Möglichkeit, den Entwicklungsstand der Kinder einzuordnen, die Bedürfnisse der Kinder und ihre Fähigkeiten wahrzunehmen und auf diese zu reagieren. Die gezielten Angebote fördern – je nach Art – die Konzentration, das Selbstvertrauen, den Gemeinschaftssinn und umfassen: Sing- und Fingerspiele, Bilderbuchgeschichten, hauswirtschaftliche Angebote wie Backen und Kochen, Basteln, Entspannungs- und Wahrnehmungsübungen, Bewegungsangebote … und vieles mehr.

Praktische Umsetzung

Die praktische Umsetzung eines gezielten Angebotes gliedert sich meistens in drei Teile: die Hinführungs-, die Erarbeitungs- und die Abschlussphase. In der Hinführungsphase wird das Thema interessant eingeleitet, um die Neugier auf das Kommende zu wecken. Dies kann geschehen z.B. durch ein Rätsel, durch Ertasten eines Gegenstandes usw. In der Erarbeitungsphase wird der zielorientierte Lerninhalt vermittelt und erarbeitet.

Durch Sehen, Hören, Fragen stellen und Beantworten werden die Kinder angeregt, sich aktiv am Geschehen zu beteiligen. Wir gestalten etwas zu einem bestimmten Thema oder setzen das Erarbeitete in Bewegung um. Um eine hohe Konzentration zu erreichen, ist es uns wichtig, die Kinder so oft wie möglich mit einzubeziehen und nicht nur als Zuhörer zu sehen. In der Abschlussphase wird das Erarbeitete noch einmal zusammengefasst, damit es sich die Kinder besser einprägen können. So kann man als Abrundung zu dem gezielten Angebot z.B. eine gemeinsame Lege-Arbeit gestalten.

Projekte

Bei einem Projekt erforschen Kinder und ErzieherIn (Alle sind Lernende!) verschiedene Lebensbereiche. Dabei werden auch Menschen außerhalb der Einrichtung mit einbezogen (Experten, Eltern). Projektarbeit kann sich über unterschiedliche Zeiträume erstrecken (zwei Stunden, einen Tag, ein halbes Jahr oder länger). Mit Hilfe der Dokumentation werden Projektprozesse festgehalten und Gespräche über die Entwicklung der Kinder und ihrer Themen angeregt. In der Regel steht am Ende ein sichtbares Produkt. Aber das Ergebnis eines Projekts ist eher zweitrangig. Der Prozess der Entwicklung zum Ergebnis hin ist wichtiger als das Ergebnis selbst (Der Weg ist so wichtig wie das Ziel!).

Bedeutung für das Kind

Die weitaus meisten Lernerfahrungen werden im Verlauf eines Projektes gemacht; im Prozess findet die Erweiterung kognitiver, emotionaler, motorischer und sozialer Kompetenzen statt. Projektarbeit ist dazu geeignet, den unterschiedlichen Strategien kindlicher Wissensaneignung, deren Bedürfnis nach lustvollem Experimentieren, dem Verlangen nach Eigenaktivität und dem Anliegen, sich mit anderen über Erlebnisse auszutauschen, gerecht zu werden.

Durch die Projektarbeit lernen / erleben Kinder:

  • bei einem Thema zu bleiben und es von allen Seiten zu beleuchten
  • die Lust am Lernen
  • unterschiedliche Wege, das eigene Lernen selbst zu organisieren
  • neue Problemlösungstechniken, Abstraktionsfähigkeit, Urteilsvermögen und Kritikfähigkeit
  • demokratische Entscheidungsprozesse zu praktizieren
  • Teamfähigkeit zu erwerben und Konflikte konstruktiv zu lösen
  • sich mit der realen Welt um sie herum auseinander zu setzen
  • ihr Handeln immer wieder zu reflektieren und dabei die Lerninhalte zu begreifen (Fachkenntnisse)
  • sich sprachlich gut auszudrücken (Wortschatzerweiterung)
  • sozialverantwortlich zu handeln und gute Umgangsformen zu praktizieren
  • ihr erworbenes Wissen anderen weiter zu vermitteln (Lernen durch Lehren)
  • Bezug zu Mengen (Abstimmungen), Rangfolgen und zum Schriftbild (Dokumentationen) aufzubauen
  • sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren

Praktische Umsetzung

Start der Projektinitiative
Interessensgebiete, die Kinder in Gesprächsrunden genannt haben, werden für alle Gruppenmitglieder veranschaulicht, indem sie z.B. aufgemalt und an einer Projektideenwand angebracht werden. Zusätzlich kann die Erzieherin Themenvorschläge einbringen, die sich durch Beobachtung der Spielgruppen und einzelner Kinder ergeben haben oder durch Ergebnisse einer Gruppenanalyse (Was brauchen unsere Kinder zurzeit?).

Eine kleine Auswahl der herausgefilterten Themen wird den Kindern zur Abstimmung angeboten. Ist eine Projektidee gefunden, erstellen wir einen

Verlaufsplan – Projektskizze:

  • Was wollen wir unternehmen oder tun?
  • Wo soll alles stattfinden?
  • Wie können wir vorgehen?
  • Wann planen wir welche Aktion?
  • Welche Materialien müssen wir uns besorgen?
  • Wer kann uns dabei unterstützen?

Vorbereitung:
In Arbeitsgruppen werden Bücher und Materialien zum Thema gesammelt, Kontakte zu Experten hergestellt, Informationen besorgt und Eltern zur Mithilfe gewonnen.

Durchführung:

  • Jetzt können alle aktiv werden, Orte besuchen, sammeln, werken und schaffen. Alles wird dokumentiert.
  • Nach jeder Aktion wird mit den Kindern über den Verlauf gesprochen (meta-kognitive Ebene), damit die Erlebnisse vom Tun ins Denken kommen (s. Lernkompetenz).
  • Danach werden die Erfahrungen den anderen Kindern der Gruppe erzählt und damit das Gelernte noch einmal vertieft.
  • Auch Probleme und Störungen werden thematisiert und nach kreativen Lösungen gesucht. (Wir machen keine Fehler, wir lernen!)

Abschluss:
1. Präsentation: Das Ergebnis des Projektes wird den Nachbargruppen, den Eltern oder der Öffentlichkeit vorgestellt.
2. Auswertung: Gemeinsam mit allen Projektbeteiligten wird der Ablauf des Projekts sowie die Präsentation der Ergebnisse noch einmal besprochen und Schlussfolgerungen für zukünftige Projekte erarbeitet.

Garten

Unser Garten, der aus zwei Ebenen besteht, bietet viele Möglichkeiten zum freien Spiel. Im oberen Bereich befinden sich eine Wippe, Schaukel, Klettergerüst und ein kleiner Sandkasten. Das Kletterhaus im unteren Bereich wird häufig für die verschiedensten Rollenspiele genutzt z.B. als Piratenschiff. Ein großer Sandkasten motiviert die Kinder zum Kuchen backen, Burgen bauen, Tunnel graben oder große Löcher buddeln. Unser großes Sonnensegel, das auch als Sandabdeckung dient, schützt uns im Sommer vor großer Sonneneinstrahlung. Beide Bereiche werden durch eine Rutsche verbunden. In der Garage befinden sich Fahrzeuge aller Art, mit denen die Kinder auf den befestigten Flächen fahren können. An heißen Sommertagen laden ein Wassertrog und ein Wasserlauf zum Planschen und Matschen ein. Die Benutzung der Außenspielanlage wird von uns beaufsichtigt.

Partizipation bedeutet Beteiligung “im Sinne von Mitwirkung, Mitgestaltung und Mitbestimmung. Sie gründet auf Partnerschaft und Dialog. Partizipieren heißt, Planungen und Entscheidungen über alle Angelegenheiten, die das eigene Leben und das der Gemeinschaft betreffen, zu teilen und gemeinsam Lösungen für anstehende Fragen und Probleme zu finden. Sie zeichnet sich aus durch ergebnisoffene Situationen, in denen Willensbildungsprozesse gemeinsam erfolgen und Ergebnisse anders als erwartet ausfallen können.” (BEP, 2012, Seite 389)

Bedeutung für das Kind

Partizipative Bildungsprozesse verklammern und verknüpfen alle Kompetenz- und Bildungsbereiche, sie fordern und stärken die Kinder in ihrer gesamten Persönlichkeit. Partizipation zielt auf Mündigkeit, die Fähigkeit zur Selbst- und Mitbestimmung, die Kinder nur selbsttätig erwerben können. Die Kinder werden bei uns in bildungs- und einrichtungsbezogene Planungs-, Aushandlungs- und Entscheidungsprozesse regelmäßig mit einbezogen. Wenn ein Kind die Überzeugung erlangt, Einfluss nehmen zu können auf sein Lebensumfeld, erwirbt es zunehmend weitere soziale Kompetenzen wie z.B.

  • entwicklungsangemessen Verantwortung zu übernehmen für sich und andere,
  • Erweiterung und Festigung der Sprachkompetenz,
  • Erkennen, Äußern, Begründen und Vertreten eigener Sichtweisen,
  • Wahrnehmen und Respektieren anderer Meinungen.

Zusätzlich befähigt Partizipation Kinder zur demokratischen Teilhabe und ist eine wichtige Gelegenheit für frühe politische Bildung.

Praktische Umsetzung

Kinderkonferenzen

Diese Konferenzen finden individuell in jeder Gruppe statt. Sie bieten den Kindern die Möglichkeit zur selbstständigen Mitgestaltung ihrer Interessen. Zudem haben die Kinder im Rahmen der Kinderkonferenzen die Möglichkeit:

  • von ihren eigenen Erlebnissen und Erfahrungen zu berichten,
  • ihre Wünsche zu äußern, z.B. bezüglich Raumgestaltung, Spielmaterialien,
  • von ihren Hoffnungen und Erwartungen für die Zukunft zu erzählen,
  • ihre eigenen Beobachtungen und persönliche Befindlichkeiten mitzuteilen.
  • Regeln für den Alltag zu erarbeiten
  • neue Aktivitäten zu planen
  • überschaubare Zeitabschnitte zu erkennen und zu besprechen
  • Lösungen für bestehende Probleme zu finden usw.

Die Ergebnisse werden auf einem Plakat dokumentiert und für die Eltern sichtbar an der jeweiligen Gruppen-Informationswand aufgehängt. Die Kinder erfahren so, dass sie Einfluss auf die Gestaltung des Kindergartengeschehens nehmen können.

Verantwortungsbereiche im Alltag

Im alltäglichen Gruppengeschehen lernen die Kinder in unserer Einrichtung Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und für andere ein Vorbild zu sein. Dies geschieht z.B. indem ältere Kinder den jüngeren helfen beim Anziehen, Aufräumen der Spielbereiche und während der Essenssituation. Wir sensibilisieren die Kinder aufeinander zu achten, indem wir ältere Kinder gezielt bitten, den jüngeren zu helfen. Die kleineren Kinder unterstützen wir darin, zunehmend selbständig die größeren Kinder um Hilfe zu bitten. Feste Patenschaften haben wir nicht mehr, da wir festgestellt haben, dass die Kinder sich effektiver gegenseitig unterstützen, wenn sie ein Auge auf alle Spielkameraden haben, Ihnen nicht ausschließlich ein Kind als Pate zugewiesen wurde.

Feste und Veranstaltungen

Bei den meisten Veranstaltungen unterstützen uns die Kinder tatkräftig. So bringt z.B. jeder eine Kleinigkeit für das Faschingsbuffet mit. Hier entscheiden wir mit den Kindern, welche Köstlichkeiten es geben soll. Möglichst selbstbestimmt suchen sich die Kinder (In Absprache mit den Eltern) eine kulinarische Kleinigkeit aus. So freuen sich die Kinder einen Beitrag zum Fest beisteuern zu können, und wir sind dankbar für die Unterstützung.

Kinder brauchen einen festen Tagesablauf, der nichts mit Verplanung und Terminkalender zu tun hat. Kinder brauchen wiederkehrende Zeitpunkte – z.B. den Morgenkreis, das gemeinsame Essen, damit sich eine innere Uhr ausbilden kann. Der Tagesablauf hilft den Tag zu gliedern und einen überschaubaren Orientierungsrahmen zu schaffen. Jedoch ist es notwendig, dass dies keine starre Festschreibung ist, sondern jeweils der aktuellen Situation angepasst wird (z.B. Geburtstage, Exkursionen).

7:00 – 8:00 Uhr | Frühgruppe

Alle Kinder, deren Betreuungszeit um 7:00 Uhr beginnt, treffen sich dort und werden um 8:00 Uhr von der Erzieherin ihrer jeweiligen Stammgruppe abgeholt.

8:00 – 9:00 Uhr | Bring und Freispielzeit

Die Kinder aus Mühlhausen werden um 8:00 Uhr mit dem Bus gebracht. Während dieser Stunde kommen alle Kinder bei uns an, finden erste Spielpartner für den Tag, beschäftigen sich größtenteils selbstbestimmt alleine oder zu mehreren. Es besteht die Möglichkeit für selbstausgesuchte, individuelle Beschäftigungen wie freies Malen und Basteln, Spielen, Bilderbücher anschauen, usw. Kinder genießen den Einzelkontakt zum pädagogischen Personal, tauschen sich aus, was sie beschäftigt … Ein Orientieren im neuen Kindergartentag findet statt.

9:00 – 13:00 Uhr | Kernzeit

Morgenkreis
Wir beginnen gemeinsam den Tag, indem wir uns z.B. die Hände im Kreis reichen, einander begrüßen, ein Lied singen. Nachdem jede Gruppe ihren Morgenkreis individuell gestaltet hat, frühstücken Kinder und Erzieherinnen gemeinsam. Im Anschluss findet ein gezieltes Angebot oder die Weiterführung des Freispiels statt.

Stuhlkreis oder gezieltes Angebot
Variabel findet das gezielte Angebot mit allen Kindern oder in Kleingruppen statt. Im Stuhlkreis spielen wir gemeinsam mit den Kindern Kreis- und Singspiele, lesen Geschichten vor oder machen Rätsel, Fingerspiele und vieles mehr.

Essen

Ca. 9:30 Uhr gemeinsames Frühstück, das selbst mitgebracht wird.

Ca. 12:00 Uhr gemeinsames Mittagessen, das selbst mitgebracht wird oder bestellt werden kann.

Wasser und am Freitag Milch werden während des ganzen Tages angeboten.

Nach dem Essen gehen wir bei fast jeder Witterung in den Garten. Bei hochsommerlichen Temperaturen sind wir am Vormittag im Garten und gehen bei zu großer Hitze wieder ins Haus.

13:30 Uhr | Kinder, die mit dem Bus nach Mühlhausen fahren, werden abgeholt.

14:00 Uhr | Nachmittagsgruppe

Die Kinder, deren Eltern längere Buchungszeiten benötigen, werden in einer Gruppe von zwei pädagogischen Fachkräften betreut.

14:00 – 15:00 Uhr | Freispiel

15:00 – 15:30 Uhr | Wir essen gemeinsam

15:30 – 16:30 Uhr | Anschließend finden individuelle Angebote statt

z.B. Geschichten vorlesen, Gestaltungsangebote, individuelle Förderangebote oder Spielen im Garten.

Der Bayerische Bildung- und Erziehungsplan beschreibt Übergänge (bzw. Transitionen) als “… Lebensphasen, die von hohen Anforderungen, Veränderungen der Lebensumwelten und einer Änderung der Identität geprägt sind und mit einer Häufung von Belastungsfaktoren einhergehen.” (BEP, 2013, S. 85).

Die Eingewöhnung in unserer Einrichtung ist inhaltlich angelehnt an die Bindungs- und die Stresstheorie.

In der Bindungstheorie wird die Entstehung und Qualität von Bindung zwischen Kindern und deren Bezugspersonen beschrieben (Niesel und Griebel, 2013, S. 2018). Ein gesundes und gutes Bindungsverhalten ist für das Explorationsverhalten des Kindes von hoher Bedeutung. Denn nur ein Kind, welches sich sicher und wohl fühlt, kann seine Umwelt frei erkunden und kennenlernen.

Stress spielt bei der Bewältigung von Übergängen ebenfalls eine entscheidende Rolle. Wenn Übergänge vom Kind erwünscht sind und von diesem anscheinend kontrolliert werden können, erleichtert dies die Veränderung. Gelingt es dem Kind nicht, hierbei auf vorhandene Ressourcen zurückzugreifen, wird aus den Anforderungen schnell eine Überforderung, welche Stress beim Kind auslöst. Daher ist es von hoher Bedeutung, die Veränderung für das Kind möglichst vorhersehbar und kontrollierbar zu gestalten.

Elternhaus / Kinderkrippe -> Kindergarten

Der Übergang in den Kindergarten bringt sowohl für das Kind als auch für sein soziales Umfeld viele Herausforderungen mit sich. Denn auch Eltern und Erziehungsberechtigte müssen sich in ihrer neuen Rolle einfinden. Wichtig zu erwähnen ist, dass starke Gefühle wie Abschied, Verlust, Trauer, aber auch Stolz und Freude auf das Kommende sowohl für Kinder als auch für Eltern vollkommen normal und ein fester Bestandteil dieses Prozesses sind. Eine erfolgreiche Übergangsbewältigung stärkt das Kind in seiner Identität, da es lernt, sich auf neue Situationen einzulassen, sich mit diesen auseinander zu setzen und sich zu verändern. Wenn das Kind erfährt, dass Übergänge eine Herausforderung und keine Belastung sind, wächst sein Selbstvertrauen, es wird flexibler und gelassener bezüglich neuer Übergänge. Da jedes Kind Übergänge in seinem eigenen Tempo bewältigt, orientiert sich die Gestaltung des Prozesses an den individuellen Bedürfnissen des Kindes.

Zeitliche Rahmen bei Anmeldung eines Kindes in unserer Einrichtung:

Ablauf

Informationselternabend
Im September: Einladung der Eltern zu einem Informationselternabend.
Ziel: Kennenlernen des Pädagogischen Personals, anderer Eltern, Räumlichkeiten und des Tagesablaufs.

Anmeldegespräch
4 – 6 Wochen vor Aufnahme des Kindes telefonische Terminvereinbarung zu einem Anmeldegespräch im Kindergarten für Eltern und Kind.
Inhalte: Betreuungsvertrag, Austausch zwischen pädagogischem Personal und Eltern über individuelle Vorlieben / Besonderheiten des Kindes, Einblick in den Gruppenalltag, Kennenlernen der Bezugsperson des Kindes, Vereinbaren zweier „Schnuppertermine“.
Ziel: gegenseitiges Kennenlernen, Beseitigen von Unsicherheiten.

Schnuppertermine
Häufigkeit: 2 x in dem Monat vor dem Kindergartenwechsel.
Beginn: ca. 9:00 Uhr zum gemeinsamen Frühstück.
Dauer: ca. 1 bis 1½ Stunden (individuell abhängig vom Kind, Absprache vor Ort mit dem pädagogischen Personal).
Ziel Schritt für Schritt zurechtfinden des Kindes in der neuen Gruppe, langsame Gewöhnung an neue Umstände wie Gruppengröße und Lautstärke, Sicherheit erlangen durch wiederkehrende Rituale (z.B. gemeinsames Frühstück) und Lieder im Kindergartenalltag.
Ablauf: Eltern bringen das Kind am Schnuppertag in die Kindergartengruppe zu der jeweiligen Bezugsperson. Je nach Gefühlslage des Kindes verabschieden sich die Eltern relativ bald, um dem Kind die Möglichkeit zu geben, die neue Gruppe möglichst selbständig zu erkunden. In dieser Zeit erlebt das Kind den Gruppenalltag in Begleitung seiner Kindergartenbezugsperson, bis die Eltern nach der zuvor ausgemachten Zeit wiederkommen zum Abholen. Falls das Kind die gegenüberliegende Kinderkrippe Farbenklecks besucht, besteht die Möglichkeit, dass das Kind nach dem Schnuppern vom pädagogischen Personal in die Krippengruppe gebracht wird. Dies geschieht in Absprache mit den Eltern.

Elterngespräch
Wir bieten tägliche Tür- und Angelgespräch zu Beginn der Eingewöhnung an, deren Inhalt kurze Berichte über das Erleben des Kindes in seiner neuen Gruppe sind. Die Gespräche führt das jeweilige Bezugspersonals des Kindes, um Eltern einen Einblick in den Prozess der Eingewöhnung Ihres Kindes geben. Nach ca. drei Monaten bieten wir ein erstes Elterngespräch an, um den Eingewöhnungsprozess gemeinsam zu reflektieren.

Wichtige Informationen zum Übergang von Elternhaus / Kinderkrippe in den Kindergarten finden Sie unter Downloads.

Kindergarten -> Schule

Die gesamte Kinderartenzeit ist eine Vorbereitung auf die Schule. Alle Bereiche der kindlichen Entwicklung werden in dieser Zeit ganzheitlich gefördert. Es geht uns nicht darum schulisches Lernen vorwegzunehmen, sondern die allgemeinen Voraussetzungen für einen gelingenden Schulstart zu schaffen, damit der Übergang in die Schule für unsere Vorschulkinder und deren Erziehungsberechtigte möglichst stressfrei verläuft.

Um den Wissensdurst der zukünftigen Schulkinder zu stillen, verdichten sich die speziellen Angebote im letzten Kindergartenjahr. Wir fördern durch unser Vorschulprogramm die von der Schule geforderten Fähigkeiten wie Konzentration, Feinmotorik, Grobmotorik, Selbstbewusstsein und Ideenreichtum.

Durch Exkursionen, z.B. ins Mainfränkische Museum, erleben die Kinder ihre Umgebung unmittelbar. Es ist uns wichtig, dass die Kinder während der Besuche die verschiedenen Einrichtungen nicht nur anschauen, sondern sich aktiv am Geschehen beteiligen können.

Aufführungen, wie z.B. beim Sommerfest, Abschlussgottesdienst oder am Oma-Opa-Tag, fördern Konzentrationsfähigkeit und das Selbstbewusstsein.

Jährlich spielen wir mit allen zukünftigen Schulkindern „Schule“. Am Ende des Kindergartenjahres halten wir eine Woche lang zwei „Schulstunden“ pro Tag mit Pause und Hausaufgaben ab.

Am Ende jeden Kindergartenjahres gestalten wir für die Kinder einen besonderen Tag. Wir starten in der Kirche mit einem feierlichen Abschlussgottesdienst, anschließend werden die Kinder symbolisch aus dem Kindergarten “geworfen”. Sie gehen durch unseren bunten Torbogen und bekommen Ihre Kindergartentaschen überreicht. Nun startet der besondere Teil des Tages, auf den sich alle immer sehr freuen. In den letzten Jahren haben wir mit den Kindern eine Gespensterjagd durch Estenfeld unternommen. Am Ende des Tages gab es für jeden eine kleine Überraschung, und die Kinder wurden am späten Abend wieder von Ihren Eltern abgeholt.

Nach Rücksprache mit den Lehrern*innen haben sich zwei Trainingsprogramme als besonders positiv bewährt, um den Kindern den Einstieg in die Schule zu erleichtern. Das Training der phonologischen Bewusstheit (hören, lauschen, lernen) und das Sprechzeichnen. Diese beiden Übungsprogramme finden mehrmals wöchentlich morgens mit den Kindern statt. Eines unserer Ziele für diese Angebote ist es, den Kindern Freude am Umgang mit der Sprache zu vermitteln.

Es ist uns ein großes Anliegen, dass die Kinder „Lernen“ als etwas Positives erleben. Auch soll bei den Kindern Neugier und Freude auf die Schulzeit geweckt und verstärkt werden. So kann der Übergang von Kindergarten zu Schule erfolgreich gelingen.